Predigt 15.03.15: Es war einmal die Arbeit
15. März 2015
Predigt 29.03.15: Es war einmal die Strafe
29. März 2015

Auslandseinsatz USA

Monis persönlicher Bericht.

Nach einem langen Flug zu einer anderen Zeitzone kamen wir endlich am anderen Ende der Welt an. Wir wurden herzlich von mir unbekannten Menschen begrüßt und fuhren direkt zur Church, wo unsere Gastfamilien auf uns warteten. Ich begrüßte meine Gastfamilie und fühlte mich sofort angenommen und sicher. Am nächsten Morgen waren wir zum Frühstück mit den Frauen der Gemeinde verabredet. Natürlich war es eine Umstellung, dass wir uns plötzlich nur noch auf Englisch verständigen konnten. Es fiel mir schwerer als gedacht, ich musste plötzlich nach so vielen Vokabeln suchen. Zum Glück war ich damit nicht alleine. Als die Frauen an diesem Morgen über uns und für uns beteten war ergriffen von der Herzlichkeit und der echten Fürsorge. Denn die Gebete waren alles andere als oberflächlich. DSC_0165An einem Abend gab es ein Basketball Turnier. Wir deutschen Mädels wurden herausgefordert. Doch obwohl wir gegen die Jüngeren spielten landeten wir erwarteter Weise auf dem letzten Platz. Aus weiser  Vorsehung nannten wir unser Team „At least we´repretty“ (Wenigstens sind wir hübsch). 😉

Nach ein paar Tagen der Vorbereitung fuhren wir nach Mexico.

In Texas ist die Natur wirklich schön. Überall sah man Bäume, Palmen und Felder. Es war sauber und die Sonne erwärmte die Luft. Obwohl ab und zu noch etwas Schnee zu sehen war, war es warm. Doch als wir dann die Grenze zu Mexico passierten, kamen wir in eine andere Welt. Überall war Matsch, Hütten aus Stein oder Blech undSchmutz. Es regnete.

Ca. 10  Minuten später kamen wir nach einer holprigen Fahrt durch Straßen aus Schlamm in einem Kinderheim an. Hier war es sauber. Wenn ich mir vorstelle, dieses Heim wäre in Deutschland, es wäreschon längst vom Ordnungsamt geschlossen worden. Denn die Häuser waren alles andere als der deutsche Standard. Ecken an den Häusern waren herausgebrochen und ein Fundament von einem ehemaligen Gebäude war zu sehen. Doch im Vergleich zu der Außenwelt war dieser Ort eine Oase. Wir standen vor dem Gebäude, als die Tür im ersten Stock aufging und ca. 30 Kinder die Außentreppe herunterstürmten. Jedes einzelne umarmte uns und begrüßte uns. Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen, denn es kam mir vor, als würden diese Kinder schon seit Monaten nur auf uns warten, obwohl sie uns gar nicht kannten.Wir kamen in einem 15-Bett-Zimmer unter. Am Abend unterhielten wir uns mit ein paar anderen Frauen. Eine meinte, es sei für sie unvorstellbar, was eine Mutter dazu bewegen könnte, ihre Kinder wegzugeben.

Trotz der sprachlichen Barriere schafften wir es, uns mit den Kindern zu verständigen, auch wenn das nur übers Spielen oder über Umarmungen geschehen konnte. Schon am nächsten Tag ließen die Kinder zu den Essenszeiten Plätze neben sich frei, damit wir uns neben sie setzen konnten. Wir sangen und aßen mit ihnen.

Die nächsten Tage verliefen ähnlich, denn die Amerikaner bereiteten Themen und Spiele vor bei denen wir halfen so gut wir konnten. Außerdem bauten die Männer einen Hühnerstall, der  noch während unseres Aufenthaltes, Erfolg in Form von Eiern brachte. Es war schön zu sehen, dass wir eine Hilfe sein konnten indem wir Liebe und Zuneigung zeigten aber auch praktisch halfen.DSC_0015

Am vorletzten Tag gab es ein großes Fest. In Mexico ist es nämlich etwas Besonderes, wenn ein Mädchen ihren 15. Geburtstag erlebt. Es bedeutet nämlich, dass das Mädchen nun zu einer Frau wird. Dieser Tag war sehr ungewohnt, wir kamen uns vor wie auf einer Hochzeit. Die Feier begann in der kleinen Kapelle, die auf dem Gelände für Gottesdienste genutzt wird und endete in einem Festessen für das wir am Tag zuvor Ziegen geschlachtet hatten. Es wurden Fotos gemacht, traditionell getanzt und Kuchen gegessen.

Den Tag ließen wir mit einem Film, den wir gemeinsam auf einer großen Leinwand schauten, ausklingen. Ich bekam von dem Film wenig mit, denn ich schlief völlig übermüdet ein.

Am letzten Tag in Mexico mussten wir uns von fast allen Kindern verabschieden, denn sie wurden von ihren Familien für das WochenendeDSC_0009 abgeholt. Für mich war es hart, das anzusehen, denn ich konnte nicht erkennen, ob sich die Kinder, wie auch die Mütter, darüber freuten oder nicht.

Kurz vorher spielte ich mit einem der Mädchen. Wir zählten immer wieder auf Englisch von 1 bis 10. Ich dachte mir für einen Moment, was dieser Augenblick dem Mädchen bringen würde. Wir konnten nämlich nichts anderes sagen außer dem vermeintlich sinnlosen Zählen. Anschließend umarmte sie mich aber und sagte etwas auf Spanisch. Da ich das nicht verstand, auch nachdem sie es ein paar Mal wiederholte, ging ich mit ihr zu einem der Übersetzer. Wir hatten nämlich ein paar Leute dabei, die Spanisch und Englisch sprechen konnten. Dieser sagte mir, dass das kleine Mädchen mir zu verstehen geben wollte, dass sie mich vermissen würde. Ich kämpfte mit den Tränen. Dieses Mädchen will ich unbedingt wieder sehen.

Diesen letzten Abend verbrachten wir mit den anderen Amerikanerinnen in unserem Zimmer. Ich weiß, dass dort Freundschaften entstanden sind. Wir lachten miteinander und ich wünschte mir, ich hätte noch mehr Zeit mit ihnen verbringen können.

Nach einer langen Heimfahrt und einem kurzen Stopp auf einer Ranch, kamen wir wieder in Burlesonbei unseren Gastfamilien an. Ab jetzt begann unsere restliche Zeit in Texas, die am nächsten Tag, nach wiederum wenig Schlaf mit den Gottesdiensten in der Alsbury-Church anfing. Es war schön, viele aus Mexico wieder zu sehen. An diesem Nachmittag hatten wir Zeit, um etwas mit unseren Familien zu unternehmen. Ich fuhr mit meiner „Hostfamily“ zu den „Stock Yards“. Das ist eine Cowboystadt, in der wir unter anderem die Longhorns sehen konnten und Souvenir-Shops durchliefen.

Die nächsten Tage begannen mit gemeinsamem Frühstück in der Church, sodass wir rechtzeitig und in voller Zahl bei unseren Zielorten sein konnten. Diese waren voller Herausforderungen. Wir halfen der Southside-CityChurch beim Entrümpeln ein paar Räumen und suchten dabei nach Dingen, die ein Mann in seiner neu bezogenen Wohnung gebrauchen konnte. Wir beschäftigten uns mit älteren Leuten im Altenheim, mit Behinderten und mit Kindern. Für mich war das meiste Neu, weil ich zuvor wenig mit diesen Menschen in Berührung kam. Manchmal hat es mich Überwindung gekostet, manches passierte einfach. Beim Beschäftigen mit den „Special Friends“ fiel einem älteren Mann ein Hörgerät aus dem Ohr, während wir zusammen einen Basketball hin und her warfen. Weil ich sah, dass er erfolglos versuchte, den Stöpsel wieder in sein Ohr zu stecken, bot ich aus Reflex meine Hilfe an. In dem Moment merkte ich, dass ich so etwas noch nie gemacht hatte. Erst nach mehrmaligem Herumdrehen und einem Stoßgebet schaffte ich es.

Ähnlich erging es mir immer wieder. Egal ob mit den vielen neuen Menschen um mich herum, mit der neuen Sprache, mit den mir bis dahin unbekannten Sitten und Eigenschaften oder mit anderen neuen Herausforderungen. Entweder man sah ganz klar, wie alles einfach funktionierte, und wenn nicht, war man ja nicht alleine. Wir waren ständig umgeben von unserem Team oder Amerikanern; von Leuten, die uns liebten, obwohl sie uns noch gar nicht lange kannten.

Zwei Vormittage nutzten wir alle, um in einem Heim für Obdachlose einen Garten anzulegen. Alle diese Arbeiten gingen schneller voran als vorher gedacht, da wir mit so vielen Helfern effektiver sein konnten. An den Abenden gab es entweder weitere sportliche Aktivitäten in der Church oder wir trafen uns bei Leuten zuhause, wo wir uns gegenseitig besser kennen lernen konnten. Jedes Mal wurde gegessen und man musste immer wieder erzählen, wie es einem so geht, wie man Texas empfindet und was uns bis dahin am meisten gefallen hat.

Am letzten Tag vor der Abreise gab es eine Veranstaltung in der Church, wo mehrere von den Erlebnissen der letzten Tage erzählen konnten. Es wurde vielen gedankt und man hat gemerkt, wie viel Herz hinter all dem bei den Mitwirkenden steckte. Ich sah Tränen und Lachen zugleich in vielen Gesichtern. Dann wurden auch wir Deutschen aufgefordert etwas zu sagen. Da ich von mehreren gebeten wurde, auf die Bühne zu gehen, sprach ich zu allen davon, was mich am meisten von diesem MissionTrip begeistert hätte. Ich erzählte von meinen Vorurteilen vor Reiseantritt. Vorher hatte ich viel von den Amerikanern gehört, wie zum Beispiel deren überaus freundliche und zuvorkommende Art. Wenn mir jemand davon erzählte, schien mir dies alles sehr gespielt oder unecht. Das ganze „MyFridgeisyourfridge“-Getue konnte doch nicht echt sein. Auch das ständige; oberflächliche Fragen wie es einem ginge, sage doch schon alles über die tatsächliche Anteilnahme der Amerikaner an meinem Leben aus.

Dieser MissionTrip hat dieses Bild direkt am ersten Tag umgekrempelt. Ich durfte Menschen kennen lernen, die voller Leidenschaft und Hingabe dabei waren und die mir wichtig geworden sind.

Der Abschied fiel schwer, doch ich hatte immer im Hinterkopf: Hier will ich nochmal hin!