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Interreligiöser Dialog

Religionen werben für friedliches Miteinander Dialog Freundschaft zwischen christlicher und muslimischer Gemeinde hält Unterschiede aus.
Pressebericht von Mitarbeiterin Yvonne Stock (Rhein-Zeitung)

Andernach. Ein friedliches Miteinander der Religionen ist möglich – in der Welt und auch in dieser Region. So lautete die Botschaft, die die freie evangelische Gemeinde Andernach, die muslimische Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat Neuwied und Josef Pasternak, Kantor der jüdischen Gemeinde Koblenz, bei einer Dialogveranstaltung im historischen Rathaus in Andernach vermitteln wollten.

Anees Ahmad, bei der muslimischen Gemeinde für den interreligiösen Dialog zuständig, gab im Gespräch mit der RZ unumwunden zu, dass es bei fast täglichen Berichten über die Gräueltaten der Terrorgruppe Islamischer Staat sehr schwierig sei, verständlich zu machen, dass seine Religion eigentlich friedlich sei. „Wir sind hier, damit wir zeigen können: Wir praktizieren den Islam als friedliche Religion und nicht mit Gewalt“, betonte Ahmad. Rund 180 Mitglieder habe seine Gemeinde, überwiegend mit pakistanischem Hintergrund.

Als ein Zeichen, dass ein friedliches Miteinander auch aktiv gelebt werden muss, verbindet die muslimische und die christliche Gemeinde seit drei Jahren eine Freundschaft. „Den 1. Mai verbringen wir immer gemeinsam auf einem Fest“, erzählte Eugen Rot, Gemeindeältester der freien evangelischen Gemeinde. Da werde erst zusammen Baseball oder Fußball gespielt und dann gegessen. Jeder bringe etwas mit, wegen des Verbots von Schweinefleisch im Islam werde das Essen auf zwei verschiedenen Grills zubereitet. „Und im Ramadan laden wir die christliche Gemeinde zum Fastenbrechen bei uns ein“, berichtete Ahmad. Die Resonanz sei jedes Mal groß.

„Ich schätze ihre großartige Gastfreundschaft“, sagte Rot. Aber auch der Dialog über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Religionen sei ihm wichtig. „Wir wollen die Begegnung, aber man kann den anderen so stehen lassen, wie er ist“, stellte der Gemeindeälteste die Bedeutung von Toleranz im interreligiösen Miteinander heraus.

Während des Gesprächs mit der RZ begrüßten Rot und Ahmad immer wieder Mitglieder aus beiden Gemeinden mit einer Umarmung. Es seien viele Freundschaften entstanden, betonten sie, man treffe sich auch privat zum Essen oder für einen Spieleabend.

Gerade beschäftigen Flüchtlinge beide Gemeinden. „Wir kümmern uns um zwölf Afghanen und einen Iraner“, erzählte Ingo Neumann von der christlichen Gemeinde und Mitorganisator der Dialogveranstaltung. Von den Mitgliedern der muslimischen Gemeinde leben nach Angaben von Ahmad noch sechs im Asylheim. Da fahren Vertreter der beiden Religionen nach Angaben von Neumann auch schon mal gemeinsam zur Kreisverwaltung, um etwas für ihre Gemeindemitglieder zu erreichen.

„Wir suchen noch freiwillige Helfer“, warb Neumann bei den knapp 50 Besuchern der Dialogveranstaltung um Unterstützung. Die Flüchtlinge in den Asylheimen müssten ihre „Zeit totschlagen“ und würden sich sehr freuen, wenn jemand mit ihnen Sport mache oder sie bei Behördengängen begleite.

Das Thema stand auch im Mittelpunkt bei den wenigen Anmerkungen aus dem Publikum. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Mehrgenerationenhauses Neuwied warb um Freiwillige, die den Flüchtlingen Deutsch beibringen. Der Migrationsdienst betonte seine Unterstützung bei den Ämtern. „Caritas und Diakonie leisten eine gute Arbeit, aber das Problem ist die schiere Anzahl an Flüchtlingen“, meinte Neumann. Von den rund 80 erwachsenen Mitgliedern der freien evangelischen Gemeinde hätten etwa die Hälfte einen Migrationshintergrund, sagte Rot: „Wir haben ähnliche Erfahrungen gemacht, in ein neues Land mit einer neuen Kultur zu kommen.“ Das zu verdauen, könne Jahre dauern, sagte der Vertreter der jüdischen Gemeinde, Pasternak. Hilfe dabei zu leisten, sollte selbstverständlich sein: „Heute sind es diese Menschen, morgen könnten wir es sein.“

Rhein-Zeitung vom Montag, 10. November 2014